Der Süden

Der Einfachheit halber nennen wir den "Rest" unserer Strecke, immerhin noch 1.200 km, den Süden, weil wir uns nun die ganze Zeit in der Nähe der US-Grenze bewegen. Von Lake Louise aus fahren wir am 21. Juni wieder ein Stück in Richtung Banff auf dem Trans-Canada-Highway und biegen bei Castle Junction auf den No. 94 in Richtung Radium Hot Springs ab. Geht es zunächst durch eine schroffe Gebirgslandschaft über einen Pass, wird die Landschaft entlang des Kootenay Rivers allmählich immer sanfter, es tauchen immer mehr kleine Ortschaften mit zum Teil luxuriösen Wohngegenden auf, die Golfplätze häufen sich: Hier stehen viele Zweitwohnsitze von Kanadiern aus Vancouver und Calgary. Wir verzichten auf ein Bad in den Hot Springs, besuchen den kleinen, hübschen Ort Invermere, wo wir in einem netten Cafe Pause machen (https://circleinvermere.com/).Auf der Westseite des Windermere Lakes fahren wir dann nach Fairmount Hot Springs und dann weiter in Richtung Cranbrook. Wir passieren den lieblichen Wasa Lake und entschließen uns spontan, auf dem Wasa Lake Park Campground zu übernachten. Was für ein schöner Platz: in einem Kiefernhain finden wir die großzügigen Plätze. Hier wären wir gerne länger geblieben, aber wir haben ja noch einiges vor: den Lake Kootenay, Kaslo, die Arrow-Lakes und danach die 700 km lange "Heimfahrt" nach Vancouver.

Am darauf folgenden Tag wollen wir nach Kaslo am Lake Kootenay. Aber erst gehen wir am Wasa Lake spazieren, danach geht es zum Fort Steele, ein historisches Freilandmuseum aus der Gründerzeit. 

Zum Tanken und Addblue Nachfüllen fahren wir nach Cranbrook. Auf der Karte sehen wir eine Abkürzung von Kimberley zum Lake Kootenay ab Kimberly. Die ist jedoch gesperrt und wir kehren nach Cranbrook zurück. Weiter geht es durch ein sanftes Tal über die No. 3 ins Landwirtschaftszentrum Creston. Obststände säumen die Straße, ein reges Treiben in der Stadt lädt zum Verweilen ein, doch wir müssen noch heute nach Kaslo über die lange Strecke am Ufer des Lake Kootenay und mit der Fähre übersetzen....

Kaslo

In Kaslo waren wir in 2018. Zu der Zeit machte ein Kolkrabenpärchen das Städtchen unsicher: Auf der Hauptkreuzung im Ort wurde nach Leckeren gesucht, und ab und zu fiel mal etwas aus dem Autofenstern. Dieses mal: keine Raben. Schade. Aber Kaslo hat sich den Charme eines Gründerstädtchens bewahrt. Kleine Läden säumen die wenigen Straßen, etwas weiter außerhalb gibt es gepflegte Häuser mit Gärten, einen kleinen Hafen und einen Campground direkt am See. Auffällig ist ein touristischer Neubau am nördlichen Ostende sowie einige Hausboote, die in der Bucht liegen. Von Kaslo kann man wunderschöne Ausflüge und Wanderungen unternehmen. Die entsprechenden Unterlagen gibt es im Tourist Office. Gut essen kann man im Kaslo Hotel and Pub, auch kann man sich einen restaurierten "Sternwheeler" am See anschauen.

Nach vier Tagen, am 26. Juni, verlassen wir Kaslo, nicht ohne Wehmut: ein wirklich schöner Ort mit seiner Ruhe abseits der Touristenrouten. Es geht in Richtung New Denver, über einen kleinen Pass zu einem anmutig am Slocan Lake gelegen, kleiner als Kaslo mit einem Lebensmittelmarkt, einem Liquer Store und einer Tankstelle. Danach erreichen wir nach wenigen Kilometern Nakusp am Arrow Lake. Nicht verpassen: Die heißen Quellen außerhalb des Ortes. Über Nakusp und die Arrow Lakes schreiben wir in "Kanada von Ost nach West".
Ganz in der Nähe, ca. 45 km südlich, besitzen Freunde von uns ein Seegrundstück, auf dem sie zwei große Wohntrailer stehen haben: Einer für sie selbst, einer für Freunde. Dort verbringen sie mehrere Wochen des Jahres in den Sommermonaten. Dort dürfen wir mit unserem Truckcamper auf der Wiese stehen (das Grundstück ist so groß, dass er kaum auffällt). In den zwei Tagen dort gehen wir angeln, hängen ab, haben gute Gespräche. Ich trau mich sogar mal für ein paar Minuten in das eiskalte Wasser: Um die 10 Grad wird es um diese Jahreszeit haben. Ich brauche eine Stunde, um wieder warm zu werden. Unsere Gastgeberin ist da etwas härter drauf: Sie schwimmt eine halbe Stunde! Schöne Stunden. Eigentlich wollen wir gar nicht wieder zurück....

Tja, der Rest ist schnell erzählt. Am 28. Juni setzen wir mit der Fähre von Fauquier nach Needles über und fahren gemütlich nach Vernon, wo wir eine Pause einlegen und einen "Moka" zu uns nehmen. Empfehlenswert: The Lobster Pot, ein Imbisswagen an der 30th Street (https://www.thelobsterpot.ca/). Unterwegs besorgen wir noch Sushi für das Abendessen Geplant ist eine Übernachtung am Bearcreek Campground gegen über von Kelowna (siehe "Kanada von Ost nach West") am Okanagan Lake. Aber: Alles ausgebucht! Das hatten wir bisher noch nicht. Ein bisschen verzweifelt fahren wir wieder zurück zum Highway und weiter in Richtung Merritt, einem kleinen Landwirtschaft- und Industriezentrum, wo wir tatsächlich auf dem Moon Shadows RV Park (http://www.moonshadows.ca/) unterkommen und endlich unser Sushi essen können. 


Am nächsten Morgen brechen wir auf und fahren auf den No. 5 Highway. Mittlerweile wissen wir, dass es schwierig wird, einen freien Stellplatz in der Nähe der Fraserway Rückgabestation zu bekommen. Am nächsten Tag gegen 10/11 Uhr müssen wir den Truckcamper in Delta abgegeben, davor grob gereinigt, entsorg und voll getankt. Nach einer kurzen Rast in Hope (siehe auch "Kanada von Ost nach West) - ein sympathisches ehemaliges Bergarbeiterstädtchen am Trans-Canada-Highway - folgen wir zuerst dem Fraser River, dann über Chilliwack und Abbotsford zumPeace Arch RV Park (http://www.peacearchrvpark.ca/) in der Nähe von White Rock. Das Küstenstädtchen ist der perfekte Abschluss einer Kanadareise! Direkt am Meer gelegen mit Blick in die USA und Vancouver Island kann man hier sehen und erleben, wo die wohlhabenden Kanadier ihr Zuhause haben. Neben einer Fisherman´s Wharf gibt es eine schöne Restaurantmeile mit einer großen Auswahl verschiedenster Geschmäcker. Auch wir reihen uns ein in die Party- und Urlaubsgäste und schlendern im späten Sonnenlicht die Küstenstraße entlang. 

Heute ist der 30. Juni und unser Abflugtag. Der Flieger geht erst um 17 Uhr, aber es gibt ja noch viel zu tun! Erstmal entsorgen, mit dem Handfeger durch den Camper, Kofferpacken (noch am Vorabend), auf der Fahrt nach Delta noch tanken und dann erreichen wir die Fraserway Station. Alles läuft sehr professionell ab. Bei unserem Camper war der Feuerlöscher aus der Halterung gebrochen und wir hatten ca. 100 km mehr als vereinbart. Alles kein Problem und keine Mehrkosten! Super, Fraserway! Und ein bisschen traurig sind wir auch, Kanada zu verlassen! Mit anderen Touristen gehts mit dem Fraserway Shuttle-Bus zum Flughafen, und ja, das wars! (Letztes Bild: Blick auf den Mt. Rainier, siehe auch "Kanada von Ost nach West")