Kanada von West nach Ost
Was für eine Idee, dieses riesige Land von West nach Ost zu durchfahren! Geplant war etwas ganz anderes: eine Woche Vancouver, um sich dort über die Anmietung eines Truckcampers schlau zu machen, mit dem wir im kommenden Jahr an den Yukon fahren wollten. Aber: der lange Flug nur für eine Woche?
Da schlug meine Frau Gabi etwas vor, woran sich sofort mein Abenteuerdrang entzündete: Lass uns doch von Vancouver aus durch Kanada nach Nova Scotia fahren, also vom Pazifik zum Atlantik! Oh mein Gott: alles mit dem Auto, bestimmt 7.000 km, was gibt es da alles zu sehen, was muss alles geplant werden, wieviel Zeit werden wir brauchen?
Aber alles der Reihe nach.
Die Route
Unten seht ihr die gesamte Strecke mit einer Länge von ca. 8950km in der Planungsphase. In der Realität sah es dann anders aus....Die Übernachtungsmöglichkeiten haben wir anhand von mehreren Reiseführern ausgewählt: 1. Dumont Kanada West, 2. Dumont Kanada Ost sowie 3. Ivanovskys Kanada Ost. Nur in Teilen entspricht die Route dem Trans-Canada-Highway.
Grober Streckenverlauf: wir starteten in Vancouver, dann über Kelowna über die Rockies nach Calgary, danach Drumheller (Welthauptstadt der Dinosaurier ), von dort in den Süden zu mehreren Nationalparks, weiter nach Osten über Winnipeg, Kenora, Thunder Bay, die großen Seen, Toronto, die Niagara Fälle, Ottawa, Montreal, Quebec, New Brunswick und last but not least Nova Scotia mit Halifax. Dabei durchfuhren wir vier Zeitzonen und 8 Bundesstaaten. Die auf den Karten sichtbaren "Points of Interest" mussten wir setzen, um den Routenverlauf so exakt wie möglich darstellen zu können.
Lower Arrow Lake bei Burton. Rechter Hand das Grundstück, auf dem "unsere" Blockhütte ist, in der wir fünf wunderschöne Tage verbrachten!
Die Vorbereitung
Womit fängt man an? Wir mit den Reiseterminen: In den Frühling hinein sollte es gehen; zudem wollten wir die Hauptreisezeit und die Mücken vermeiden. Zwei Monate Zeit wollten wir uns nehmen; am Ende waren es genau 55 Tage.
Dann googelten wir im Internet unter Stichworten wie „Kanada Durchqueren“, „Crossing Canada“ u.ä.. Dabei stellten wir fest, dass die meisten Leute entweder von Westen bis in die Mitte - Winnipeg, Thunderbay - unterwegs waren. Oder von der Ostküste in die Mitte. Auch die Reiseführer Kanada gibt es für den Osten oder für den Westteil.
Die wenigsten Leute haben sich die gesamte Querung vorgenommen. Zeitlich hatten diese einen Rahmen von 4-6 Wochen festgelegt, meist mit dem Wohnmobil. Dementsprechend blieb wenig Zeit für Abstecher und Erkundungen, der Trans-Canada-Highway diente ihnen als Haupt- Reiseroute von West nach Ost. Doch dazu später mehr.
Informationen über die Art zu Reisen, die wir planten - mit dem Mietwagen von Unterkunft zu Unterkunft - haben wir gar nicht gefunden.
Die Flüge
Ohne uns viel Gedanken zu machen buchten wir direkt über die Condor-Homepage (www.condor.com). Erstens, weil es Direktflüge sind, zweitens konnten die Flüge gesplittet werden (nach Vancouver, von Halifax). Preislich fanden wir es auch akzeptabel. Auf alle Fälle empfehlen wir den Aufpreis für die sog. Premium-Economy-Class: neben einem besseren Unterhaltungsprogramm und Mahlzeiten bietet sie deutlich mehr Beinfreiheit. Für einen 10,5 Stunden-Flug Luxus pur! Auch das Koffergewicht könnte theoretisch auf 32 kg gesteigert werden. Beim Handgepäck sind es zehn Kilo.
Ob Sie es glauben oder nicht: Mein Handgepäck wurde am Gate von Condor-Mitarbeitern gewogen! Also Achtung!
Unsere Buchung: Frankfurt-Vancouver am 9. Mai 2018, Ankunft um 15:40 Uhr, Rückflug Halifax-Frankfurt am 2. Juli 2018, Abflug um 22 Uhr. Insgesamt knapp 1.000€ pro Person in der Premium Eco. Damit war der Rahmen gesetzt.
Der Mietwagen
Natürlich kann man Kanada mit einem „normalen“ PKW machen - es kommt eben auf die Strecken an. Wir jedenfalls wollten nicht nur auf den Hauptverkehrsadern Strecke machen, sondern auch Landstraße fahren - und die sind oft nicht geteert. Also: SUV. Speziell bei Regen war der 4x4 Antrieb dann auf den Off-Road-Strecken hilfreich. Auch sitzt man etwas höher und hat Platz für 2 Monate Gepäck. Wenn es das Reisebudget zulässt, würden wir einen Off-Roader bevorzugen.
Als relativ günstig erwies sich der Ford Escape - hierzulande als Ford Kuga bekannt. Wir verglichen die ADAC Angebote für Klubmitglieder mit denen von billiger-Mietwagen.de. Dabei stellte sich schnell heraus, dass die Angebote bei billiger-Mietwagen.de grundsätzlich günstiger und vor allem vielfältiger waren. Die Vermittlung lief über Cars and Campers, FTI Touristik, München. Der Preis für 55 Tage inkl. freie Kilometer und Vollkasko betrug 1.854€. Achtung: Hinzu kommt der Zuschlag für Einwegmiete in Höhe von 1.300 CAD inkl. Steuern. Dieser Betrag ist vor Ort zu bezahlen. - Wir reservierten das Auto für den gesamten Zeitraum und erhielten dafür 2 Verträge - ein Vertrag umfasst 30 Tage, mehr geht nicht..
Da wir nicht genau wussten, ob das Auto ein Navi hat, hatten wir ein Tom Tom mit Nordamerikakarte im Gepäck. Das sollte uns später wertvolle Dienste leisten.
Bei der Mietwagenfirma in Vancouver (Alamo) sollten ? wir noch eine zusätzliche Vollkaskoversicherung (Collision Damage Waver Excess) abschließen, was aber nicht nötig war. Der Collision Damage Waver Excess (Selbstbeteiligung im Schadensfall) beträgt 500CAD und wird durch den Vermittler ? ersetzt. Dazu später.
Unten: English Bay, Vancouver
Die Unterkünfte
Grundsätzlich wollten wir uns tagtäglich um die jeweilige Unterkunft in Kanada kümmern. Ausnahme: wir wollten ankommen und uns um nichts mehr kümmern müssen. Also buchten wir von Zuhause aus das Sylvia Hotel (https://sylviahotel.com) an der English Bay in Vancouver für die ersten beide Tage. Weitere fünf Tage buchten wir von Deutschland aus in einer Blockhütte am Lower Arrow Lake. Ansonsten reichte das Spektrum von Motels über Bed & Breakfast bis zum 5Sterne Hotel.
Sylvia Hotel an der English Bay in Vancouver
Die Einreise
Vor Antritt der Reise ist es erforderlich, eine elektronische Reisegenehmigung (eTA=elecronic Travel Authorization) zu beantragen. Link:
https://www.canada.ca/en/immigration-refugees-citizenship/services/visit-canada/eta/apply-de.html
Die Kosten dafür betragen 7 CAD und ist einfach online handhabbar. Bei der Einreise muss dann nur noch der Reisepass auf die bereitgestellten Lesegeräte am Flughafen gelegt werden.
Die Finanzen
Zum Zeitpunkt unserer Reise bekam man für einen Euro 1,50 CAD. Relativ gute Voraussetzungen für Kanadaurlauber. Im September 17 gab es nur 1,35 CAD. Den Wechselkurs sollte man deshalb gut im Blick haben.
Die Kosten für die Flüge und das Auto standen fest, für die Unterkünfte kalkulierten wir mit 100€ für ein Doppelzimmer mit Frühstück. Das konnten wir während der Reise einhalten.
Weitere 100€ pro Tag kalkulierten wir für Benzin (im Schnitt 1€/Liter in Kanada) und alles andere wie Essen, Eintrittskarten, Fähren u.s.w. Auch das sollte grundsätzlich reichen.
1.200 CAD haben wir von Deutschland aus mitgenommen. Damit wollten wir direkt bei der Autovermietung die Einweggebühr bezahlen. Die wurde dann allerdings viel später fällig und von der Kreditkarte abgebucht.
Den größten Teil aller angefallenen Kosten haben wir über die Kreditkarten abgewickelt. Das Zahlen mit Bargeld ist in Kanada eher unüblich. Bei längeren Reisen sollte man vorher das Kreditkartenlimit prüfen, da sich die Kosten kumulieren und eine Sperre und / oder ein Defekt der Karte zu Problemen führen kann. Gut abgesichert ist man mit zwei Kreditkarten unterwegs.
Die Koffer
Kanadier kleiden sich praktisch und leger. Dies konnten wir überall im Land beobachten. Wobei es einen deutlichen Unterschied zwischen West und Ost gibt: im Westen und in der Mitte beherrschten T-Shirts, Shorts und Flip-Flops das Erscheinungsbild. Ab Toronto in Richtung Osten werden die Bekleidungsstile vielfältiger. Das gilt auch für Bars und Restaurants.
Prinzipiell ist es nicht notwendig, Anzug, Sakko oder ein schickes Kleid einzupacken. Viel wichtiger ist es, auf alle klimatischen Verhältnisse eingerichtet sein. So war zum Beispiel Ende Mai der berühmte Lake Louise in den Rocky Mountains noch zugefroren, eine Winterjacke angebracht. Mehrere Kilometer weiter in Banff herrschten am nächsten Tag 24 Grad Celsius.
Sonst noch etwas?
Wie wir erst später bemerkt haben kann eine kanadische SIM-Karte sehr nützlich sein. Bei Gesprächen innerhalb Kanadas liegt man damit deutlich günstiger als z.B. mit den Telekom-Angeboten. SIM-Karten der kanadischen Anbieter kann man in jeder Stadt in den entsprechenden Shops ab 10CAD erwerben. Wir haben die zwei Monate ohne Karte durchgehalten. Mit den vielen WLAN Hotspots (praktisch überall wo Kundenverkehr ist: Restaurant, Café, Märkte, Flughäfen etc.) kann man die Kommunikationskosten in Grenzen halten.
Wichtig: einen Adapter für die kanadischen Steckdosen sollte man unbedingt schon in Deutschland besorgen. Gut gefahren sind wir mit Brennenstuhl Reisestecker / Reiseadapter (Reise-Steckdosenadapter für: USA Steckdose und Euro Stecker) erhältlich u.a. bei Amazon. Ansonsten noch an die Ladegeräte für elektrische Geräte denken! (Zahnbürste, Handy, Computer, Photoapparat, Reader,....)
Das Schweizer Messer war einmal extrem nützlich beim Zerlegen eines Lobsters!
Hat das eigene Handy (Englisch: Cell Phone oder Mobile) die WLAN Call Funktion, kann man über das Internet nach Deutschland telefonieren und zahlt dann nur den im Vertrag festgelegten Inlandspreis. Noch besser: mit WhatsApp oder Signal telefonieren.
Die Ankunft
Essen und Trinken
Eine kanadische Küche in diesem Sinn gibt es nicht. Viele Einflüsse der Einwanderer sind in die Speisekarten eingeflossen: Asiatisch-Chinesisch geprägte Küche vor allem in Vancouver / Calgary, sonst Nord-amerikanische Küche mit viel Rind und Schwein, im Osten Hummer, Austern und andere Meeresfrüchte. Grundsätzlich ist zu sagen, dass im Westen und in der Mitte Kanadas die Auswahl an Gerichten / Frühstück im Vergleich zu Europa gering ist. (Ausnahmen: die Großstädte Vancouver / Calgary / Winnipeg) Ab den großen Seen ändert sich dies: In Ontario, vor allem in Quebec gibt es vielfältige Restaurants, vor allem aber Croissants und guten Kaffee. Auf den mussten wir die meiste Zeit verzichten. Dafür aber Eier in jeglicher Form im Überfluss....Brot, Brötchen u.ä. gibt es so gut wie gar nicht, sonder nur Toastbrot. Auch in sogenannten Bakerys ist die Auswahl nicht größer. Torten oder Kuchen - so wie wir das hier kennen - ist in Kanada unbekannt. Im Osten gab es dann immerhin Croissants und Baguette. Auf Besuche bei Fast-Food-Ketten und Pizza Restaurants haben wir weitestgehend verzichtet. Ein Salat mit Thunfisch in Vancouver kostet ca. 20 CAD. Steak zwischen 30 und 40 CAD, ein Glas Wein etwa 9 CAD. Weiter im Osten wird es preiswerter. Ein Rack Spareribs ca. 17 CAD, Pizza und Nudelgerichte ca. 15 CAD. Die Frühstückspreise (soweit nicht im Übernachtungspreis inbegriffen, was nicht allzu oft vorkam) liegen bei ca. 10 - 15 CAD. (Kaffee ist immer dabei, 3 Spiegeleier, Bratkartoffel, Toast, Butter, Marmelade. Im Osten findet man vor allem in New Brunswick und Nova Scotia fangfrischen Hummer (Lobster). Preise 2018.
Ankunft in Kanada
Am 9. Mai gegen 16 Uhr Ortszeit betraten wir kanadischen Boden. Zeitunterschied zu Frankfurt: 9 Stunden. Gefühlt war des demnach 1 Uhr morgens. Aber ein bisschen aufgeregt waren wir schon, sodass man den Zeitunterschied am Anfang kaum merkt. Wie schon geschildert ist die Einreise durch die Pass-Scanner vor der Zollkontrolle sehr unkompliziert. Gepäck geholt und weiter zu den Mietwagenstationen. Man verlässt das Terminal durch den Hauptausgang und fährt mit dem Gepäckwagen immer geradeaus. Nach ca. 150m ist man an den Büros der Vermieter angekommen. Den Voucher von Billiger mietwagen.de vorgezeigt, und schon geht‘ s weiter zum Vertragsabschluss. Was wir nicht wussten: da die maximale Vertragslaufzeit beim Vertragspartner Alamo nur 30 Tage beträgt, mussten zwei Mietverträge abgeschlossen werden, die aufeinander Bezug nahmen. Ein weiterer Punkt war das Angebot, über eine tägliche Gebühr die Selbstbeteiligung von 500 CAD zu vermeiden. Dies ist aber nicht notwendig, da diese der Vermittler ersetzt.
Wir erhielten einen wenige Monate alten Ford Escape von nettem Personal: Navi, Leder, über 200 PS, genug Platz und bequem. Dann ging es gleich los zum Sylvia Hotel, mitten durch die Innenstadt von Vancouver. Dabei war nochmals Konzentration gefordert, bis wir den Hotelparkplatz erreichten.