Von Drumheller nach Winnipeg

Von Drumheller nach Medicine Hat (14. Tag, 250km)

Eigentlich wollten wir heute weiter kommen als Medicine Hat. Aber alles der Reihe nach. 

In der Travellodge kann man sich an der Rezeption das „Frühstück“ abholen: heißes Wasser mit Kaffeearoma, Äpfel, gekochte Eier, Butter und Marmelade, Banane. Dazu Toastbrot, das Ganze mit Papptellern und -Bechern sowie Plastikbesteck. Müllvermeidung ist leider kein Thema. Die Plastikausstattung gehört in vielen Motels und Hotels zum Standard.  Immerhin: beim Frühstück sitzen wir auf Picknickbänken hinter dem Motel im Grünen, mit Blick  auf den  Fluss.  Sogar von hier aus sehen wir den Dino aus Pappe über den Bäumen.  


Dann sind die Koffer verstaut,  und los geht’s. Über den Dinosaur Provincial Park wollen wir weiter über Medicine Hat zum Cypress Hills Interprovincial Park Saskatchewan. In der trockenen Landschaft  windet sich die Straße südlich von Drumheller am Flussufer entlang, zu beiden Seiten die hohen Erosionskanten und Hoodoos. 

Plötzlich sehe ich eine flache Metallplatte auf der Straße. Zum Ausweichen ist es zu spät, aber sicherlich kann man auch darüber hinweg fahren!?!? Ein ohrenbetäubendes Kreischen erfüllt das Auto, ich bremse ab, komme zum Stillstand. Und wusste gleich, dass hier ein größerer Schaden am Auto entstanden ist: Die Platte hatte sich unter dem Auto aufgestellt und sich vor der Hinterachse verkeilt. Das rechte Hinterrad ist nach außen verbogen, einige Verkleidungsteile sind abgerissen. Handy: kein Netz (ca. 30 km südlich von Drumheller), kein Verkehr, nur Landschaft. Was machen?

Beim langsamen Zurückfahren löst sich die Platte, das Auto kann also noch bewegt werden. Die einzige Rettung erscheint uns der Ford-Service in Drumheller.  Also hoffen wir, dass das Auto die 35 km Rückfahrt übersteht. Beim Fahren muss ich stark gegenlenken, alle Sicherheitssystem am Wagen sind ausgefallen. 

Wir schaffen es bis zur Werkstatt.  Die Leute dort sind sehr hilfsbereit und lassen uns mit Alamo Rent a Car telefonieren. Nach langer Zeit in der Warteschleife werden wir aufgefordert, zunächst einen Polizeibericht erstellen zu lassen, bevor Alamo tätig wird. Also fahren wir vorsichtig zur Station der Mountain Police (den „Mounties“) in Drumheller. Dort werden wir sehr freundlich empfangen. Ein Police Officer sieht sich das Auto an, ich schildere die Situation: Fertig war der Schadensbericht. Auch durften wir auf der Polizeistation die notwendigen Telefonate mit dem Autovermieter führen. Nervig waren die langen Warteschleifen: Dial 1: If you have a question about your contract, dial 2: …. und danach die übliche Musik, bis sich im Call-Center jemand meldete. Aber das kennen wir ja auch aus Good Old Germany! Danke nochmal an die Mounties! Wir haben sogar Geschenke mit auf den Weg bekommen: Schlüsselanhänger und …Endlich: Nach gut sechs Stunden kommt der Tieflader aus Calgary mit unserem Ersatzwagen, einem Nissan Qashqai. Kein Vergleich zum Ford Escape: jetzt passt unser Gepäck nicht mehr in den Kofferraum,  sondern es muss auf den Rücksitzen verstaut werden: eine Einladung für Langfinger. Also beschließen wir, das Auto bei nächster Gelegenheit zu tauschen. - Mittlerweile ist es 18:30 Uhr, und wir haben noch 250 km vor uns. Nichts wie weg; doch dieses mal lasse ich die Augen nicht von der Straße: Das Geräusch der Metallplatte unter dem Wagen habe ich bis heute in den Ohren!


Am Anfang wieder durch das Tal des Red Deer River, danach durch endloses flaches Land vorbei am Dinosaur Provincial Park zurück zum Trans-Canada-Highway und weiter nach Medicine Head. Dort checken wir im Baymont by Wyndham ein (https://www.wyndhamhotels.com/baymont/medicine-hat-alberta/baymont-inn-and-suites-medicine-hat/overview?CID=LC:BU::GGL:RIO:National:50487&iata=00065402) Im Motel gibt es das Restaurant „Indian Kitchen“, das wir empfehlen können. Medicine Hat selbst haben wir uns nicht angeschaut.

Von Medicine Hat nach Val Marie (15. Tag, 315km)

Wir folgen dem Trans-Canada-Highway bis Maple Creek; dann gehts Richtung Süden,  U.S. Grenze. Saskatchewan ist die Provinz in der Mitte Kanadas, am Horizont "the big sky", und die Erdkrümmung, die sonst nur vom Schiff aus zu sehen ist.  Was für Landschaften! Flaches, leicht welliges Land zu beiden Seiten der einsamen Straßen. Weiden und kahle Felder wechseln einander ab: Felder, die gerne mal eine Seitenlänge von 20/30 km haben!! Diese unendliche Weite, die Straße am Horizont bis zu 10 km entfernt: Das kennen wir in Europa nicht. Für uns ist das überwältigend. 


Die Dörfer sehen immer gleich aus: Der Silo mit der Eisenbahnladestation kennzeichnet eine Siedlung, dazu eine Main Street mit drei, vier oder fünf  Seitenstraßen, z.T. nicht asphaltiert;  eine Kirche, eine Kneipe, ein Lebensmittelladen, ein Geldautomat - das ist es auch schon. Bis zur nächsten Stadt sind es mindestens zwei Stunden Fahrt durch die unendlichen Weiten..! Manche meinen auch „unendliche Einöde“, aber wir finden die leere Landschaft faszinierend. Sie erzählt vom Raubbau der Menschen an der Natur, der Unterwerfung von Landschaft und allem Leben unter das Bedürfnis der einwandernden Europäer nach Ackerbau und Viehzucht. 


Wir folgen der Route 271 und kommen in eine hübsche Landschaft mit Mittelgebirgscharakter, Wiesen wechseln mit Wäldern ab.  Wir beschließen,  einen Abstecher zum Fort Walsh Heritage Center zu machen. Immerhin war dies der erste Polizei-Stützpunkt im Westen und sogar Sitting Bull fand hier Zuflucht nach der Schlacht am Little Big Horn.  Zwar hat das Museum noch Betriebsferien, aber der junge Leiter des Museum öffnet für uns die Pforten und lädt uns freundlich zum Rundgang ein. Die Geschichte von Fort Walsh kann man nachlesen unter https://www.pc.gc.ca/en/lhn-nhs/sk/walsh/culture/histoire-history


Nach zwei Stunden geht es weiter: Wir folgen der Route 615, die nicht weit vom Fort in eine Schotterstraße übergeht. Gut, dass wir Allradantrieb haben! Leichter Regen kommt auf, aber die Straße verwandelt sich (noch) nicht in eine Schlammpiste. Ein bisschen ängstlich sind wir schon: Kein Handynetz, kein Fahrzeug weit und breit über viele zig Kilometer. Über Nebenstraßen, die immer in Nord-Süd- oder West-Ost-Richtung verlaufen, gelangen wir entlang leerer Felder und Weiden nach Val Marie. 

Außer dem schönen Namen hat der kleine Ort nicht viel zu bieten: ein chinesisches Restaurant mit Hotel, ein kleines Diner, das war´s! Alles in der kleinen Main Street mit Aussicht auf die Silos an der Eisenbahnlinie. 

Wir hatten im B&B „The Convent“ ein Zimmer reserviert (http://www.convent.ca), nach einer Empfehlung des Dumont Reiseführers. Das Convent ist hübsch eingerichtet - seine kirchliche Vergangenheit spiegelt sich in der Einrichtung - und lädt mit  Bibliothek  und Studierzimmer zum Verweilen ein. Es gibt dort zwar kein Bad im Zimmer, aber mehrere Bäder im Flur. 

Zum Frühstück sitzen wir mit den anderen Gästen (alles Kanadier!) zusammen an einer große Tafel und kommen schnell ins Gespräch mit wertvollen Tipps für unsere Weiterreise nach Osten. 


Von Val Marie nach Regina (16. Tag, 337km)

Auf dem Weg nach Regina und zurück zum Trans-Kanada-Highway besuchen wir den Grasslands National Park, ein letzter Rest der ursprünglichen Prairielandschaft. Eine lange Schotterstrecke führt uns zum Parkeingang. Wenige Meter weiter steigen wir aus und bewundern die Erdhöhlen der Prairiehunde, ähnlich den Erdmännchen. Ach wie goldig! 

Wir sind ca. 500m von der Straße und unserem Auto entfernt, als wir mehrere dunkle „Findlinge“ in einiger Entfernung ausmachen. Die bewegen sich doch? Ach Du meine Güte: Das sind Büffel! Ganz friedlich schrubbeln sie sich an Steinen, ganz entspannt. Wir sind aber nicht mehr entspannt und gehen zügig zurück zum Wagen. Nach kurzer Fahrt kommen wir den friedlichen Tieren ganz nah: Was für ein Erlebnis! Man darf nicht daran denken, dass sie vor ca. 130 Jahren bald ausgerottet wurden, zu der Zeit, als noch Millionen von Büffeln („Bisons“) die unendlichen nordamerikanischen Weiten bevölkerten. Aus reiner Habsucht wurden sie wegen ihrer Felle innerhalb von wenigen Jahren bis auf wenige Tiere abgeschossen. Was für ein Drama. 

Im Park bekommen wir eine gute Vorstellung davon, wie die Landschaft im 19. Jahrhundert hier ausgesehen hat: Sanfte, mit Gras bewachsene Hügel und Täler soweit man blicken kann. Ein wunderbar zarter Duft liegt in der Luft, Kräuter und Blumen locken tierische und menschliche Bewunderer. Wunderbar zum Wandern. Touristen gibt es kaum. 

Gegen Mittag geht es dann nach Regina (gesprochen „Ridzaina“). Die Stadt haben wir uns nicht angeschaut. Gebucht hatten wir das Fairfield Inn and Suites Regina (https://www.marriott.com/hotels/travel/yqrfi-fairfield-inn-and-suites-regina/?scid=bb1a189a-fec3-4d19-a255-54ba596febe2)

Von Regina nach Winnipeg(17. Tag, 570km)

Heute steht uns eine lange Etappe bevor. Dieses mal geht es nur auf dem Trans-Canada-Highway in Richtung Osten und kommen in den Bundesstaat Manitoba. Auch dabei „verlieren“ wir wiederum eine Stunde. Im Landwirtschaftszentrum und Universitätsstadt Brandon machen wir eine Mittagspause im „Prairie-Firehouse“ (http://www.prairiefirehouse.com), einer ehemaligen Feuerwache von 1911, die nun ein schönes Restaurant mit Terrasse beherbergt.

 Danach geht es zurück auf den Highway. Eine riesige Gewitterfront zieht vor uns her, andauernd gibt es Warnungen vor Starkregen und Windböen. Gewaltig anzusehen, wie sich diese riesigen Wolkentürme bedrohlich um uns herum erheben, aber irgendwie kommen wir ohne Probleme bis zum Flughafen in Winnipeg. Dort tauschen wir problemlos das Auto: Bekommen nun einen großen, komfortablen Hyundai Santa Fe, mit dem wir die weitere Strecke bis nach Halifax zurücklegen. Wir übernachten in Flughafennähe im Hampton Inn by Hilton Winnipeg Airport   (https://hamptoninn3.hilton.com/en/hotels/manitoba/hampton-inn-by-hilton-winnipeg-airport-polo-park-YWGAPHX/index.html?SEO_id=GMB-HP-YWGAPHX).

Nach dem Frühstück am Sonntagmorgen besuchen wir den Winnipeg Zoo, berühmt für seine Polar-Bear-Anlagen. Wir können in einem verglasten Tunnel die spielenden Bären beobachten. - Danach fahren wir zum Forks Market im Zentrum am Red River, einer Einkaufs- und Freizeitanlage. Live-Darbietungen und Musik begleiten uns bei unserem Bummel. Viele Migrationsgeschichten liessen sich hier erzählen - asiatische, osteuropäische Wurzeln neben den First Nations werden gepflegt und bewahrt, bewusste Vielfalt.  Die entspannte, offene Atmosphäre lädt zum Verweilen ein. Wir bleiben bis zum Nachmittag und genießen das bunte Treiben!