In den Norden
Wegen des schlechten und kalten Wetters kehren wir am Tag 12 bei Triton um und fahren zurück an die Westküste in Richtung Norden, wo besseres Wetter vorhergesagt ist. Ziel ist Trout River.
Tag 12
Zurück geht es nach Triton, wo Dorman Roberts Grocery (eigentlich ein kleiner Lebensmittelladen mit ein paar Non-Food Artikeln) seine gekochten Lobster/Hummer anbietet. Wir nehmen einen kleinen und einen größeren für jeweils 14 und 20 CAD. Triton mit seinen bunten Holzhäusern ist ganz hübsch anzuschauen. Im Hochsommer scheint es dann doch eine Menge Touristen hier zu geben. Noch Volltanken an der Irving Oil Station auf dem Weg zurück zum Crescent Lake, in dem es laut den Einheimischen ein See-Monster geben soll.
Bei den niedrigen Temperaturen - tagsüber im einstelligen Bereich - fragen wir uns, wie das Wetter in St. Johns, unserem Ziel in zwei Tagen - ist... die Prognose lautet: 5 Tage Dauerregen! Aber an der Westküste soll es gut sein. Also Planänderung und zurück nach Dear Lake, von wo wir weiter direkt nordwestlich an die Küste nach Trout River fahren. Dort gibt es fußläufig vom Dorf einen Stellplatz (https://www.elephantsheadrvpark.com/). Dort bleiben wir zwei Nächte, weil wir am nächsten Tag den Tablelands Trail erwandern wollen. Am frühen Abend wandern wir in den kleinen Ort. Dort gibt es eine sehr gutes Restaurant: Das Seaside Restaurant (https://www.seasiderestaurant.ca/).
Dorman Roberts Grocery in Triton: Hier gibts gekochte Hummer!
Triton mit den hübschen Fischerhäuschen.
Das Crescent Lake "Ungeheuer"!
Unser erster Elch am Straßenrand. Wir hörten Neufundländer sagen: Wir haben hier alles: Elche, Caribous, Bären. Alles im Gefrierfach. Zu Natur und Tieren herrscht hier grundsätzlich eine andere Einstellung. Tiere sind da, um das eigene Überleben zu sichern. Das begegnete uns ganz intensiv im Robbenfänger Museum in Elliston. Aber davon später.
Trout River Boardwalk. Im Hintergrund das Seaside Restaurant.
Trout River: So wohnt man hier!
Tag 13 in Trout River
Leider haben wir heute leichten Regen. Daher muss der Tablelands Trail warten. Wir verbringen die Zeit im Discovery Center in Woody Point bis der Regen gegen Mittag aufhört. Dort kann man die interessanten geologischen Verhältnisse rund um den Gros Morne Park und Artefakte der Ureinwohner betrachten. Außerdem verführt eine Cafeteria zu einem warmen Moka, eine Mischung aus Espresso und Kakao.
Das Beste heute erleben wir im Hafen von Woody Point: drei Fische jagende Seehunde im Hafen. In immer neuen Angriffswellen treiben sie in der Nähe des Ufers kleine Fische vor sich her. In den Pausen schauen sie sich die Touristen auf der Mole an!
Und jetzt haben auch wir Hunger! Pan Fried Halibut oder Cod gefällig? Im Old Loft Restaurant sind wir richtig! (https://www.facebook.com/theoldloftrestaurant/)
Im Discovery Centre.
Erholung nach der "Fressorgie"!
Wie schnell die unter wasser unterwegs sind!
Main Street in Woody Point.
Tag 14
Gutes Wetter!! Genau richtig für eine Wanderung. Frühstücken, Geschirrspülen, Strom abziehen, Wasseranschluss abschrauben, Slideout einfahren, und los gehts zum Tableland Trail, ca. 12km in Richtung Woody Point (https://www.newfoundlandlabrador.com/plan-and-book/attractions/11761611). Wir müssen sowieso diese Strecke zurück fahren.
Aufgrund der Kontinentalverschiebungen sind an dieser Stelle tiefere Erdschichten nach oben gedrückt worden mit einem hohen Peridotit-Anteil (Magnesium- und Eisensulfitbestandteile), die Pflanzenwuchs stark erschweren. Eine wunderschöne Wanderung, sogar die Sonne blinzelt. s.u..
Weiter gehts Richtung Western Brook Point. Nach wenigen Kilometern können wir schon Woody Point von der gegenüber liegenden Seite aus sehen und sind kurz darauf am Gros Morne Park Entrance, wo wir ein günstiges Jahresticket kaufen. Wir queren Rocky Harbour, ein richtiger Touristenort mit vielen Restaurants und Unterkünften.
Wir möchten in der Nähe des Western Brook Pond, der größten Touristenattraktion auf Neufundland, übernachten, um morgen gegen 12:30 Uhr das Ausflug-Schiff zu erreichen. Daher landen wir auf dem Berry Hill Campground (https://parks.canada.ca/pn-np/nl/grosmorne/activ/camping/bh).
Die Schiffstour auf dem Western Brook Pond buchen wir online unter https://bontours.ca/tour-item/western-brook-pond/
Tag 15
Eigentlich ist der Western Brook Pond kein Fjord, da er keine direkte Verbindung zum Meer hat, sondern 25 m über dem Meeresspiegel liegt. Er ist ist 16 km lang und bis zu 165 m tief. Das umgebende Bergmassiv ist bis zu 600 m hoch. Diese Landschaft wurde während der letzten Eiszeit geprägt, wo hunderte Meter hohe Gletscher die Täler einschnitten. Wir parken auf dem großen Parkplatz, von dem der Wanderweg zum Schiffsanleger abgeht. Mit vielen anderen laufen wir den Forstweg entlang durch sumpfiges Gelände und erreichen nach ca. 45 Minuten das Bon Tours Tour Terminal, wo es auch Getränke und Imbisse gibt. Zwei Schiffe stehen zur Verfügung, um die etwa geschätzten 100 Personen aufzunehmen. In der Ferne erahnen wir schon den gewaltigen Einschnitt in den Bergen - und los gehts!
Über zwei Stunden fahren wir an hohen, steilen Felswänden, Wasserfällen, Geröllhalten und kleinen Wäldchen vorbei. Die Landschaft ist sehr eindrucksvoll: man meint in Norwegen zu sein! Auf alle Fälle ein Highlight, das man sich nicht entgehen lassen sollte!
Auf der Route 430 - dem Viking Trail - fahren wir am Nachmittag weiter und wollen uns zwei Stellplätze in Cow Head anschauen: den Seabreeze RV Park (https://seabreezegrosmorne.com/ ) und den Shallow Bay Campgroud (https://parks.canada.ca/pn-np/nl/grosmorne/activ/camping/sb), der aber leider noch geschlossen hat. Also zum Seabreeze. Eigentlich eine Pension mit Frühstück, aber auch für eine Handvoll RVs. Der Inhaber ist sehr freundlich und empfiehlt uns für den Abend das Restaurant und die Bar vom Shallow Bay Motel in ca. 500m Entfernung. Dort genießen wir auf der meerseitigen Terrasse Gin Tonic und Weißwein, unterhalten uns mit einer kanadischen Reisegruppe, bevor wir ins Restaurant wechseln. Ein schöner Abend!
Tag 16
Mal schauen, wie weit wir heute kommen. Auf alle Fälle möchten wir die Port au Choix Halbinsel ansteuern und die dortigen Ausgrabungen und das Museum besuchen. Also weiter auf der 430 nach Norden. Nach einer guten Stunde Fahrt erreichen wir den Abzweig nach Port au Choix, fahren durch den kleinen Ort direkt auf die Halbinsel, wo die Straße beim Museum und Leuchtturm in einer rauen Küstenlandschaft endet. Hier wurde ein Gräberfeld der Maritime Archaic Culture entdeckt, das mehr als 5.500 Jahren alt ist und ca. 100 Personen als letzte Ruhestätte diente. Die Grabbeigaben geben wichtige Hinweise auf die damalige Lebensweise. Es gibt genealogisch allerdings keinen Zusammenhang mit nachfolgenden Gruppen wie den Paleo-Eskimos oder den Beothuk, ein indigenes Volk, welches im 19. Jhd. von den Siedlern ausgelöscht wurde (https://en.wikipedia.org/wiki/Maritime_Archaic)https://www.heritage.nf.ca/articles/indigenous/maritime-archaic.php). Diese Zusammenhänge werden sehr gut im Museum dargestellt (https://parks.canada.ca/lhn-nhs/nl/portauchoix).
https://www.facebook.com/anchorcafepac/
https://www.docksidemotel.ca/rv-park/
Am frühen Nachmittag ist es Zeit für einen Imbiss: Wir entscheiden uns für Muscheln im Anchor Café (https://www.facebook.com/anchorcafepac/).
Später sind wir "on the road again" in Richtung St. Barbe, von wo die Fähre nach Labrador ablegt.
Wir checken auf dem St. Barbe RV Park ein (leider ein großer Schotterplatz) und Gabi bereitet ein teuflisch gutes Lobsterdinner mit Pasta zu, nachdem ich das Fleisch aus Schwanz, Scheren und Beinen gepult habe. Dazu braucht man ein wenig Geduld! Mittlerweile haben wir auch unsere "Favourite Beer Brand" entdeckt: Quidi Vidi 1892!!
Die Straße auf der Port au Choix Halbinsel zum Leuchturm und Museum.
Das Museum des Port au Choix National Historic Site. Auf alle Fälle sehr empfehlenswert, wer sich für vorchristliche Geschichte interessiert.
Eine Vorstellung über die Lebensweise der Maritime Archaic Kultur gibt diese Nachbildung eines indigenen Hauses auf der Basis der derzeitigen Forschungsergebnisse.
Point Riche Lighthouse unweit der Ausgrabungsstätte und dem Museum.
Blick nach Westen auf den Sankt Lorenz Golf. Am Horizont kann man die Küste von Labrador erahnen.
Total verliebt im Gras!
Erste Frühlingsboten!
National Historic Site Port au Choix.
.Schöne und entspannte Pause im Anchor Café!
Nicht sehr attraktiv: Der St. Barbe RV Park. Nur wenige Hundert Meter entfernt legt die Fähre nach Labrador ab.
Unser exklusives Abendessen.
Quidi Vidi Pale Ale aus dem gleichnamigen Dörfchen bei St. Johns. Das Bier war auf Neufundland unser Begleiter!
Tag 17
Heute wird es spannend! Wollen wir doch zur der Wikinger Fundstelle hoch im Norden in L´Anse Meadows (die Kanadier sagen Läns Mädous!). Nach dem Frühstück und heißer Dusche im Sanitärgebäude brechen wir auf - und sehen noch der Labradorfähre bei der Abfahrt zu.
Wenige Kilometer nordwärts gibt es eine weitere Sehenswürdigkeit: Die sogenannten Tromboliten und die Majory Bridge. "The Trombolites" sind Sedimentformationen, die sich vor ca. 650 Millionen Jahren durch Mikrobakterien in einem flachen Ozean gebildet haben und hier, in Flower´s Cove, an die Oberfläche gedrückt wurden. Die Holzbrücke mit dem roten Dach dient als Wegweiser für Interessierte, die den Walking Trail nutzen wollen.
Und an der Küste wird an vielen Stellen Treibeis angeschwemmt. Die dazugehörigen Eisberge sollten noch kommen....
Die meist gut ausgebaute Straße verläuft nach Flower´s Cove in einem großen Bogen in Richtung Osten durchs Inland, erreichen die Nordküste, lassen die Abzweigung nach St. Anthonys rechts liegen und folgen den Wegweisern zum Wikinger Ort.
Durch die Jahrhunderte glaubte man, dort die Überreste einer Siedlung der First Nations zu sehen. Bodenwellen, Senken und unregelmäßiger Bewuchs deuten auf eine kleine Siedlung mit großen und kleinen Häusern an. Erst im Jahr 1962 wurde dort gezielt gegraben und eine eiserne Webspindel gefunden. Da die First Nations keine Metallverarbeitung kannten, ließ dieser Fund nur einen einzigen Schluss zu: Hier mussten Europäer gelandet sein! Später fand man weiteres Metall, Schlacke aus einer Schmiede und andere Dinge, die darauf hindeuten, dass es die Wikinger waren, die um das Jahr 1000 von Grönland aus hierhin gesegelt waren und diesen Stützpunkt errichteten, um Schiffe zu reparieren, Wasser aufzunehmen und auch Handel zu treiben. Heute geht man davon aus, dass L´Anse aux Meadows (https://parks.canada.ca/lhn-nhs/nl/meadows) nur circa 5 bis 10 Jahre von den "Nordmännern und -frauen" genutzt wurde; höchstwahrscheinlich gab es auch noch andere Stützpunkte am St. Lorenz Golf, die aber bisher noch nicht entdeckt wurden. Sehr aufschlussreich ist das Museum in L'Anse aux Meadows. Auf dem ehemaligen Ausgrabungsgelände gibt es mehrere Rekonstruktionen von Hütten und Langhäusern. Im leichten Nieselregen schlendern wir durch die weitläufige Anlage. Trotz Nieselregen sind wir nicht alleine: erstaunlich viele Touristen besuchen auch schon zu dieser Jahreszeit die alte Wikingersiedlung.
Am Nachmittag reservieren wir einen Tisch für abends im The Norseman Restaurant (https://www.valhalla-lodge.com/restaurant.htm) gleich um die Ecke, wollen aber vorher noch auf dem Viking RV Park einchecken. (https://www.facebook.com/people/Viking-RV-Park/100063727141691/)
Tag 18
Am Morgen ist es lausig kalt und neblig. Meistens hilft eine heiße Dusche im Sani-Gebäude, was nicht immer sehr hygienisch ist....
Auf nach Norstead, einem Nachbau eines Vikingerdorfs. Als Vorlage dienten Wikingersiedlungen in Norwegen, es hat also nichts direkt mit L´Anse aux Meadows zu tun (https://www.norstead.ca/).
Es macht Spaß, durch die verschiedenen Hütten zu laufen, in denen der Feuerrauch eine authentische Atmosphäre schafft, in der gewebt, geschmiedet und gekocht wird.
Später fahren wir in südlicher Richtung nach St. Anthonys. Tatsächlich entdecken wir mehrere Eisberge in den Buchten an der Strecke. Ziemlich beeindruckend, diese Riesen so nah an der Küste zu sehen.
In St. Anthony - eher ein Versorgungspunkt hier im Norden als ein Fischerstädtchen - besuchen wir das Grenfell Museum - ein Muss, um ein Verständnis für die Lebensverhältnisse auf Neufundland vor mehr als 100 Jahren zu bekommen. Wilfred Grenfell (https://de.wikipedia.org/wiki/Wilfred_Grenfell) führte gegen Ende des 19. Jhd. eine erste medizinische Versorgung auf Neufundland ein. Zwei kleine Krankenhäuser sowie ein Krankenschiff waren der Beginn eines Gesundheits- und Sozialwesens auf der Insel. Im Grenfell Centre kann man seinen beeindruckenden Lebensverlauf folgen. (https://www.newfoundlandlabrador.com/plan-and-book/attractions/211382). Später nehmen wir einen Imbiss im Lightkeepers Café direkt oberhalb der Küste am St. Anthony Leuchtturm. (https://www.facebook.com/Lightkeeperscafe) Zum Übernachten fahren wir wenige Kilometer zurück zum Triple Falls RV Park. (https://atlanticrvparksandcampgrounds.ca/campground/triple-falls-rv-park/)
Tag 19
Oh je, das Wetter. Maximal 9 Grad, Nebel und Nieselregen. Wir entscheiden uns, heute zurück in den Süden zu fahren, mindestens bis Cow Head, um dieser "Suppe" zu entkommen. 300 km am Stück sollten wir schaffen! Und gleich hinter der ersten Kurve: Ein Elch am Straßenrand. Schon mehrere Autos stehen mit Warnblinkanlage auf der rechten Seite. Wir schließen uns an und zücken die Kamera. Doch was passiert plötzlich: Aus dem nahegelegenen Haus stürmt ein Mann schimpfend mit einer großen Bohrmaschine auf die Straße und dem Tier entgegen, um es zu verjagen: In seinen Augen eine Verkehrsgefahr, die es zu vertreiben gilt! Was für eine Szene!
Das erste Stück über Main Brook zurück zum Viking Trail hat es in sich: klaffende Schlaglöcher und unasphaltierte Straßenabschnitte zwingen uns zum Langsamfahren. Den Abzweig nach Englee sparen wir uns. Bei dem Wetter sieht es überall gleich aus. Doch kaum sind wir an der Westküste, lassen wir den Niesel hinter uns und es klart auf! Unsere erste größere Rast wollen wir beim Torrent River Interpretation Centre machen, eine Lachsbeobachtungsstation. Leider sind wir die einzigen, alles geschlossen: kein Kaffee, kein Imbiss! Immerhin vertreten wir uns ein wenig die Beine in schöner Natur und Sonnenschein! An der Irving Station Hawkes Bay gibts Kaffee und eine kleine Stärkung. Noch haben wir viele Kilometer und den Archer National Park vor uns. Am Nachmittag fahren wir auf den Parkplatz und laufen zum Kiesstrand, wo sich die einzigartige Felsformation direkt am Wasser befindet. Auch könnte man hier mit dem RV übernachten, doch wir wollen wieder nach Cow Head zum Seabreeze RV. Leider ist der kleine Platz im Ort nun ausgebucht, so dass wir etwas nördlich zum Shallow Bay RV Platz fahren, der direkt hinter einem weiten Sandstrand liegt. (https://parks.canada.ca/pn-np/nl/grosmorne/activ/camping/sb) Hier genießen wir die Abendsonne bei einem ausgiebigen Gang der Küste entlang. Was für ein Tagesabschluss! Weiter mit "Nach Avalon".
Das ist bestimmt ein ganz Lieber!
Torrent River Lachstreppe.
Irving Station Hawkes Bay.
Kleine Rast auf der heute langen Fahrt.
Hinweis zum Arches Provincial Park.
The Arches.
Weg vom RV Platz zum kilometerlangen Sandstrand.
Unbeschreiblich schön!