Bonavista Peninsula und Twillingate

Wir überqueren die schmale Landbrücke zwischen der Halbinsel Avalon und Zentralneufundland bei Arnold´s Cove und fahren nordwärts nach Bonavista und Twillingate.

Tag 27
Von Arnold´s Cove geht es ziemlich schnell, bis wir in Trinity ankommen. Ein absolutes Highlight auf der Bonavista Halbinsel! Fischerdorfflair aus dem 18. Jhd., schöne Küstenlandschaft mit Möglichkeiten zum Wandern und natürlich der Artisan Inn, ein gehobenes Restaurant im Ort. Wer will kann sogar Whalewatching machen.
Wir bleiben zwei Tage auf dem kleinen RV Stellplatz "Trinity Cabins" (https://www.trinitycabins.com/), ein hübscher kleiner Ort für nur 6 RVs. Das Museumsdorf mit seinen 76 Einwohnern ist fußläufig zu erreichen. Das versuchen wir über den "Gun Hill Trail" zu erreichen, was sich am Ende allerdings als Umweg herausstellt. Viele der alten Häuser kann man besichtigen, jedes für sich ein Juwel.
Am darauf folgenden Tag (Tag 28) machen wir erneut die große Runde über den Gun Hill Trail und reservieren für den Abend im Artisan Inn (https://www.trinityvacations.com/our-inn/about-artisan-inn/). Dort erwartet uns ein unvergesslicher Abend mit Aperitif auf der Terrasse und einem gehobenen Menü im ersten Stockwerk des alten Gebäudes. Ein Muss!!

Trinity Cabins Office.

Trinity.

Wanderung am Gun Hill.

Ausblick vom Gun Hill auf Trinity und die geschützte Bucht.

Auf der Sonnenterrasse des Artisan Inns.

Der  Artisan Inn.

Trinity Cabins Stellplatz.

St. Paul´s Anglican Church.

Tag 29
Und weiter der Küste entlang in Richtung Norden. Wir besuchen eine Empfehlung des Reiseführers: Port Union. Die Fischereigewerkschaft baute die Häuser in 1916 für ihre Mitglieder. Es ist der einzige Ort in Nordamerika, der durch Gewerkschaften erbaut wurde. Unterwegs decken wir uns im Port Rexton Value Grocer an der Tankstelle mit gekochtem Lobster ein....
Wir erreichen Elliston, ein kleines Fischerdorf mit etwas mehr als 300 Einwohnern. Auf dem Gelände des Elliston Municipal Parks gibt es genügend Stellplätze, sogar mit Meerblick! Dort lernen wir ein Ehepaar aus dem Kreis Offenbach kennen, die mit einem Monster von Wohnmobil aus Deutschland unterwegs sind. Es gab mehrer Begegnungen mit Deutschen und Schweizern, die ihre geländegängigen und damit teuren Fahrzeuge mitgebracht haben und sich (meistens) mehrere Jahre auf dem amerikanischen Kontinent aufhalten wollen. Wenige Kilometer weiter gibt es eine berühmte Puffin-Insel, die wir gleich nach der Ankunft besuchen. Tausende Tiere brüten hier und haben auch mit Nesträubern zu schaffen, wie die Möwen, die entspannt von Nest zu Nest watscheln, um den einen oder anderen Leckerbissen zu ergattern. Eigenartigerweise wehren sich die Papageientaucher gar nicht...
Wir besuchen Bonavista mit einem netten Hafen sowie der Sehenswürdigkeit eines Nachbaus des Schiffs (Caravelle Mathew), mit dem John Cabot oder Giovanni Caboto 1497 von Bristol aus Neufundland erreichte, und zwar am Kap Bonavista. Es liegt im Hafen, ist jedoch in einem großen Holzbau untergebracht. Weiterhin schauen wir uns die Ryan Premises an, eine Anzahl von Lagerhäusern und ehemaligen Geschäften, die um 1869 gebaut wurden. Hier wurde 1895 bis zu 10% des Handels der ganzen Insel abgewickelt.
Zur Erholung entscheiden wir uns für das Puffin Café in Elliston, wo wir uns ein jeweils ein Glas Wein gönnen. So sollte ein vollgepackter Tag zu Ende gehen! (https://www.facebook.com/people/The-Puffin-Caf%C3%A9/100063906434979/)

Tag 30
Heute werden wir die Bonavista Halbinsel verlassen und in Richtung Twillingate fahren. Als Ziel haben wir uns die Strände bei Lumsden und Musgrave Cove gesetzt, ca. 300 km auf kleine Straßen.
Aber vorher besuchen wir das Sealers Interpretation Centre in Elliston mit seinen Ausstellungsstücken aus der Hochzeit der Robbenfänger, einer der Hauptwirtschaftszweige gegen Ende des 19. Jhd auf Neufundland (https://www.newfoundlandlabrador.com/plan-and-book/attractions/31104170). Die Fänger, die damals wie Leibeigene behandelt wurden, mussten die Schiffe im Packeis verlassen und von Eisscholle zu Eisscholle springen, um die Tiere zu erlegen. Erst am Abend durften sie wieder auf das Schiff. Dabei gab es häufig Unfälle, das Leben war extrem hart. Diese Seite, der Kampf gegen die Naturgewalten und mit den Tieren, wird im Museum beleuchtet. Fragen hinsichtlich Naturschutz oder des Tierleids sucht man hier vergebens. Hier merkt man eine grundsätzlich andere Einstellung der Kanadier zur Jagd. Aber alles sehr lehrreich und auf alle Fälle lohnenswert!

Wir pausieren in Kings´s Cove. Eine kleine Wanderung führt zum Leuchtturm. Weitergeht es zu den Stränden von Lumsdon. An der Ultramar-Tankstelle bei Lumsden lernen wir zufällig Gordon kennen, der uns anbietet, die Nacht über auf seinem Grundstück direkt am Meer zu stehen. "Turn right at Lumden North Beach exit, follow down the road and at the end turn to the right" waren seine Worte. Tatsächlich war es nicht so einfach, sondern wir mussten zwei ATV Fahrer fragen, die natürlich Gordon kannten (Er ist Inhaber des Grocer stores an der Tanke) und uns zu seinem Grundstück direkt am Meer leiteten. Auf dem sandigen Terrain waren wir froh, Allradantrieb zu haben, ganz behutsam musste ich rückwärts auf das Grundstück, um nicht einzusinken. Und es dauerte gerade mal fünf Minuten, dass eine Nachbarin aus dem Nachbarhaus (ca. 300m) kam und fragte, was wir hier wollten. Nachdem wir ihr von Gordon erzählt hatten, wurde sie zugänglicher, argumentiert jedoch, dass der Boden nachgeben können ("Gordon got so many problems..."), dass morgen die Zugangsstraße zurück wegen Brückenbauarbeiten gesperrt wäre, sodass wir merkten, dass sie diese Art von Besucher hier nicht haben will. Wir blieben trotzdem, machten noch einen schönen Strandspaziergang und entschieden uns später, den Platz schon vor dem Frühstück zu verlassen, da die Sperrung am Folgetag von 8 Uhr bis 13 Uhr sein sollte. So lange wollten wir dann hier doch nicht stehen. Und wieder hörten wir am späten Abend ATVs, mit denen  Jugendliche die Strände unsicher machen. ATV (All Terrain Vehicle = Quad) sind die Lieblingsspielzeuge von jungen Leuten und dürfen in Kanada ab dem Alter von 12 Jahren auf Privatgelände und ab 16 Jahre auf öffentlichen Straßen gefahren werden. Das sollte uns noch ein paar mal begegnen und war manchmal ziemlich störend. Allerdings gibt es auch wenig Möglichkeiten für Jugendliche in den einsamen Gegenden mit den kleinen Dörfern.

Tag 31
Morgens um halb Acht, ohne Frühstück, brechen wir von Gordons Grundstück auf, um noch vor der Brückensperrung wieder auf der Hauptstraße zu sein. Vergebens suchen wir in Lumsden ein Restaurant/Diner/Hotel, was auch Frühstück anbietet. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als weiterzufahren. Erst in Musgrave Harbour werden wir fündig: Eine freundliche Neufundländerin fährt mit ihrem Auto voran und zeigt uns den Weg zum Spin-Drift-by-the-Sea-Inn (https://www.spindriftbythesea.ca/), wo es tatsächlich ein Frühstück auf der Sonnenterrasse gibt. Herrlich! (siehe Bild unten links)
Gestärkt geht es weiter in Richtung Twillingate.  Am frühen Nachmittag checken wir im Peyton´s Woods RV Park in Twillingate North ein, riesiger Platz, aber trotzdem mit individuellen Buchten, wie man unten sehen kann (https://www.peytonswoods.com/). Allerdings merkten wir, dass ab und zu anscheinend neugierige Einheimische mit ihren PKWs über den Platz fahren, um einfach nur zu schauen. Eigenartig.
Wir versuchen, von dort aus direkt nach Twillingate zu wandern, was sich am Ende als gar nicht so einfach darstellt, aber nach ca. einer Stunde erreichen wir die ersten Häuser oberhalb der Brücke im Ort, laufen entlang der Main Street zurück. Abends wird mal wieder gegrillt und das leckere Quidi Vidi Bier konsumiert.

Tag 32
Es gibt eine Reihe spektakulärer Wanderungen in der Umgebung: Der French Beach Trail südlich von Twillingate, Lower Little Harbour Trail oder den Conert Cove Trail. Wir entscheiden uns, direkt vom RV Platz in nordwestlicher Richtung an der Küste entlang zu laufen und erreichen eine schöne Bucht.
Am Nachmittag geht es ins Café: Das Blue Barrel Gallery Café (https://twillingate.com/dining/blue-barrel-gallery/) hat leckeren Moka (Mischung aus Espresso und Kakao) und Kuchen. Man sitzt sehr schön draußen mit Blick auf die Bucht.
Und wir reservieren unsere Whalewatching Tour am folgenden Tag bei Twillingate Adventure Tours direkt neben Annie´s Harbour Restaurant (auch zu empfehlen)(https://twillingateadventuretours.com/).  Ab 85 CAD pro Person ist man zwei Stunden auf dem Zodiac dabei.
Natürlich hatten wir die Überlegungen gehabt, nach Fogo überzusetzen oder auch einen Theaterbesuch im New World Island Dinner Theatre (https://www.newfoundlandlabrador.com/plan-and-book/festivals-and-events/32648219), welches uns auch von anderen Touristen empfohlen wurde. Aber Fogo hätte noch mal sehr viel mehr Zeit und Aufwand erfordert, für das Theater hatten wir schlicht und einfach keine Lust.

Tag 33
Erst einmal Lebensmittel einkaufen im Foodland am Hafen. Wir lassen den Camper dort stehen und gehen zu Adventure Tours (ca. 200 m). Dort werden wir vom sympathischen Guide schonmal vorgewarnt, dass wir eine wunderschöne Tour haben werden, aber es keine Walsichtungen in den letzten Tagen gab. Aber man weiß ja nie....
Also rein in die dicken Overalls, ins Zodiac und auf geht's durch die Twillingate Bucht heraus in die Inselwelt nordwärts bis zum Leuchtturm an der Nordspitze und zurück. Immerhin Sehen wir Weißkopfadler, Mövenküken und beeindruckende Küstenabschnitte. Aber leider keine Wale: They´re not coming for the cameras, but for food! Da bisher die großen Fischschwärme von Capelins (Lodden) und Hering ausgeblieben sind, finden sich hier auch keine großen Meeressäuger. Und wir hatten so gehofft!

Am Nachmittag fahren wir hinauf zum Leuchtturm, von wo man einen einzigartigen Blick auf die Nordküste von Neufundland hat.
Den Abschluss bildet eine Portion Muscheln für jeden von uns im Annie´s Harbour Restaurant (https://anniesrestaurant.ca/). 

Tag 34

Heute soll es weitergehen. Das erste Mal kommt ein Gefühl der von Rückfahrt aus, da es annähernd auf derselben Strecke zum Canada Highway zurückgeht und dann weiter in Richtung Grand Falls Windsor, wo wir wieder gerne auf den Sanger Memorial Park RV gehen würden. Außerdem brauchen wir gutes Internet, da heute ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft während der EM stattfindet.
Aber erst fahren wir um Twillingate Museum (https://twillingate.com/to-see-do/historic-landmarks/museums/), in dem u.a. das Leben von Georgina Sterling, die als Marie Tolinguet für ihre Opernstimme weltbekannt wurde, archäologische Funde der Ureinwohner hier und anderes Interessantes dargestellt werden. Um uns für die Fahrt zu stärken besuchen wir noch einmal das Café in der Blue Barrel Gallery, wo wir das letzte Mal die Aussicht auf Hafen und Bucht genießen. Und dann geht es auf die lange Fahrt, über die Notre Dame Junction wieder auf den Canada Highway und nach Grand Falls Windsor. Es sind noch 90 Minuten bis zum Spiel und es wird entschieden, noch ein bisschen weiterzufahren. Wir halten am Blue Canoe Family RV Park, einem weitläufigen, kinderfreundlichen Platz direkt am Highway, checken ein, parken vorübergehend hinter der Rezeption, da es dort das beste WLAN gibt und schauen uns bei Hamburger mit Fritten das Spiel an. (http://www.bluecanoepark.com/
Weiter mit "Rückfahrt über Port-au-Port Halbinsel"!